Der Anwalt Maic Fasold rät zu einem Ehevertrag - und dieser hat nichts mit Zweifeln oder mangelnden Vertrauen zu tun.
Der Anwalt Maic Fasold rät zu einem Ehevertrag - und dieser hat nichts mit Zweifeln oder mangelnden Vertrauen zu tun.
Foto: Maic Fasold

Maic Fasold - Partner von Dommel . Schlosser & Partner

Wenn die Ehe scheitert…

Das Heiraten wird immer beliebter - 2015 haben 400.000 Paare den Bund der Ehe geschlossen. Für 2016 wird eine ähnlich hohe Zahl der Eheschliessungen erwartet.

Doch wer euphorisch und romantisch seine Hochzeit plant, denkt oft nicht darüber nach, welche Verantwortung eine Ehe mit sich bringt, und dass sie im schlimmsten Fall auch scheitern kann. Und doch wird in Deutschland durchschnittlich je­de dritte, in Großstädten so­gar je­de zweite Ehe geschieden. Maic Fasold, Anwalt bei Dommel, Schlosser & Partner, rät dazu, sich schon vor der Eheschließung über rechtliche Fragen und auch Konsequenzen Gedanken zu machen.

Was passiert im Falle einer Scheidung mit dem Vermögen? Was ist mit den Kindern? Welche steuerlichen Auswirkungen hat die Entscheidung? Fragen, mit denen sich Frischvermählte nicht auseinandersetzen wollen - es aber tun sollten.

Daher rät der Anwalt zu einem Ehevertrag - und dieser hat nichts mit Zweifeln oder mangelnden Vertrauen zu tun. Nein, ein Ehevertrag kann im Vorfeld schon eine Menge regeln und im Scheidungsfall ein langes Streitverfahren verhindern. Und sollte der Ehevertrag nie zum Einsatz kommen - umso besser.

Scheidung und ihre Folgen


Existiert kein Ehevertrag und kommt es zur Scheidung, gibt es viele Punkte, die beachtet und geregelt werden müssen. Voraussetzung für eine Scheidung ist die Trennung. Erst nach Ablauf des Trennungsjahres kann die Scheidung erfolgen, wobei Trennung bedeutet, das Paar lebt getrennt „von Tisch und Bett“. Dies kann weiterhin in der ehelichen Wohnung erfolgen, allerdings müssen Räume und Haushalt der Partner deutlich voneinander getrennt sein.

Doch für die Zeit nach der Scheidung muss eine Lösung gefunden werden. Wer zieht aus? Wird die Wohnung/das Haus komplett aufgegeben? Finden die Noch-Eheleute keinen Konsens, entscheidet das Gericht. Das Familiengericht schreitet auch ein, wenn Uneinigkeit über die Hausratsverteilung herrscht.

Anlässlich einer Trennung und Scheidung sind also viele Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Eine Tren­nungs- und Scheidungsfolgenvereinbarung kann vor der Heirat, aber auch jederzeit da­nach geschlossen werden und ist eine gute Lösung, um wirtschaftlich sinn­volle Ergebnisse her­bei­zu­führen und ein langwieriges, nervenaufreibendes und kostenintensives Gerichtsverfahren zu vermeiden.

 
Gemeinsamen Kinder sollten nie die Leidtragenden der Scheidung der Eltern sein. Maic Fasold rät zum Ehevertrag.
Gemeinsamen Kinder sollten nie die Leidtragenden der Scheidung der Eltern sein. Maic Fasold rät zum Ehevertrag.
Foto: Maic Fasold

Maic Fasold - Partner von Dommel . Schlosser & Partner

Grundsätzlich können im Wesentlichen folgende Punkte geregelt werden:

- Trennungs- und nachehelichen Unterhalt (Höhe, Dauer)
- Kindesunterhalt und Sorgerecht
- Zugewinnausgleich
- Zuweisung von Hausrat und Ehewohnung
- Versorgungsausgleich
- Aufteilung der Scheidungskosten
- Vermögensauseinandersetzung
- erbrechtliche Regelungen
- Abänderungsmöglichkeiten

Regelungen über nachehelichen Unterhalt, Immobilien, Gesellschaftsanteile, Vermögen­saus­gleich, Zugewinnausgleich oder das gemeinschaftliche Testament bedürfen der notariellen Beurkundung. Geht es lediglich um den Trennungsunterhalt oder wird man sich nach der Scheidung über nachehelichen Unterhalt einig, ist dies formfrei möglich.

Wer kümmert sich um die Kinder?


Eine sensible und wichtige Frage, denn die gemeinsamen Kinder sollten nie die Leidtragenden der Scheidung der Eltern sein. Der gesetzlich geregelte Regelfall ist daher die gemeinsame elterliche Sorge für minderjährige Kinder. Sie beinhaltet das Aufenthaltsbestimmungsrecht und das Umgangsrecht. Der Elternteil, der das Aufenthaltsbestimmungsrecht hat, kann bestimmen, wo das Kind wohnen soll, der andere hat lediglich ein Umgangsrecht. Nur über Angelegenheiten des täglichen Lebens, also solche mit nicht allzu großer Bedeutung, entscheidet der Elternteil, bei dem das Kind wohnt, alleine. Bei allen wichtigen Dingen müssen die Eltern gemeinsam eine Entscheidung treffen.

Wenn sich die Eltern über das Aufenthaltsbestimmungsrecht nicht einigen können, muss wieder das Familiengericht eingreifen und hierbei das Kindeswohl berücksichtigen. Maßgeblich bei der Entscheidung ist, zu welchem Elternteil das Kind die engere Beziehung hat und welcher Elternteil das Kind besser betreuen kann.

Teilen sich die Eltern nach der Scheidung die Alltagserziehung und wohnt das Kind in bei­den Haushalten, spricht man von dem so genannten Wechselmodell. Dieses Modell passt sich den elterlichen beruflichen Verpflichtungen und dem Terminkalender des Kin­des an, eignet sich für das heutige moderne Familienmodell, bei denen sich beide Elternteile beruflich verwirklichen möchten und wirkt sich besonders positiv auf das Kindeswohl aus.

In diesem Falle haben beide Elternteile sowohl die Kosten für die Betreuung als auch für den Barunterhalt zu tragen. Beantragt ein Elternteil das alleinige Sorgerecht und stimmt der andere dem zu, folgt das Familiengericht dem Antrag, wenn das Kind nicht widerspricht. Stimmt der andere nicht zu, entscheidet das Gericht dem Wohle des Kindes entsprechend. Dabei wird insbesondere der Wille des Kindes, die Eignung des Elternteils zur Erziehung, die Kontinuität in der Erziehung und die Lebensverhältnisse berücksichtigt.


Das liebe Geld…

Oft stellt sich nämlich die Frage, ob und wann die steuerlichen Vorteile mit der Scheidung verloren gehen.

Im ersten Jahr des Getrenntlebens kann die Steuerklasse beibehalten werden, während sie im zweiten Jahr geändert werden muss. Maßgeblich ist also der Zeitpunkt der Trennung und nicht der Zeitpunkt des Ablaufs des Trennungsjahres oder der Scheidung. Nach der Trennung muss man die Steuerklasse zum Beginn des folgenden Kalenderjahres ändern. Eine gemeinsame Steuerveranlagung ist nicht mehr möglich.

Beispiel: Haben sich die Ehegatten am 16.04.2016 getrennt, muss die Steuerklasse zum 01.01.2017 geändert werden.


Und dann noch…

Auch wenn man im ersten Moment gar nicht daran denkt - auch Versicherer müssen über den neuen Familienstand und die Wohnsituation informiert werden. Insbesondere die Krankenversicherung muss über die Scheidung informiert werden. Sollte z.B. ein Ehegatte über den anderen familienversichert gewesen sein, endet dieser Schutz spätestens drei Monate nach der Scheidung. Auch die Lebensversicherung, die Haftpflichtversicherung sowie die Hausratsversicherung sollten unterrichtet werden.

 
Auch wenn bei der Hochzeit niemand daran denken mag: Eine Scheidung ist ein höchst sensibles Thema und sollte auch so behandelt werden.
Auch wenn bei der Hochzeit niemand daran denken mag: Eine Scheidung ist ein höchst sensibles Thema und sollte auch so behandelt werden.
Foto: Maic Fasold

Maic Fasold - Partner von Dommel . Schlosser & Partner

Schei­dungs­ver­fah­ren und Kosten

Das Scheidungsverfahren wird durch das Stellen eines Antrags eingeleitet, wofür grundsätzlich Anwaltszwang vorgeschrieben ist, das heißt, nur ein Anwalt kann den An­trag mitsamt allen Dokumenten stellen. Auch wenn die Ehegatten im Rahmen des Scheidungsverfahrens streitige Angelegenheiten verhandeln möchten, herrscht hierfür Anwaltszwang. Einen gemeinsamen Anwalt gibt es nicht, denn ein Anwalt kann die Interessen lediglich einer Partei vertreten.

Allerdings ist es ausreichend, wenn nur ein Ehegatte anwaltlich vertreten ist, sofern einvernehmlich nur über die Scheidung entschieden werden soll, also bereits völlige Einigung besteht. Der andere Ehegatte muss in diesem Falle dem Antrag nur zustimmen und benötigt hierfür keine anwaltliche Vertretung. Die für den antragstellenden Ehegatten entstehenden Anwaltskosten können dann geteilt werden.

Die Kosten der Scheidung setzen sich zusammen aus den Gerichtsgebühren, den Rechtsanwaltskosten und den sonstigen Auslagen. Die Gerichtsgebühren und Rechtsanwaltskosten sind abhängig von dem Streitwert, welcher sich in der Regel aus dem zusammengerechneten verdreifachten Nettoeinkommen beider Ehegatten zusammensetzt. Anhand von Tabellen werden sodann Gerichtsgebühren und Honorare berechnet.

Eine Scheidung ist ein höchst sensibles Thema und sollte auch so behandelt werden. Maic Fasold steht daher mit gerne mit kompetenter Beratung den Paaren zur Verfügung.

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